Fastnachtsumzug
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Wer Tradition meint, muss auch den Zeitraum benennen, in der so etwas "mode" war - demzufolge unterscheidet sich die Tracht heute von der gestern. Grundsätzliche Elemente sind dennoch erhalten geblieben. Haubenform, Rocksäume, Bänder u.a. lassen nach wie vor auf den Heimatort der Trägerin schließen, auch die Anlässe sind immer noch die gleichen wie früher.

Wann & Was & Wie

Allgemeines
   

Lübbenauerin 1909

Junge Lübbenauerin 1909

"Ganz traditionsbewusste Spreewälderinnen verzichten auf auffälligen Schmuck und Schminke. Das Haar wird streng in der Mitte gescheitelt, langes Haar in zwei Zöpfen geflochten und hinten zu einem Knoten aufgesteckt." [2]

Es darf als Zugeständnis an die neue Zeit angesehen werden, wenn das eben Aufgeführte nicht mehr so bedeutend ist. Die Spreewälderin kann auch traditionsbewusst sein, wenn sie Tatoos, Schmuck, farbige lange Haare hat und ein Smartphon in der Hand hält. Von einigen wenigen "Traditionswächtern" wird das zwar ungern gesehen, aber letztlich muss sich die Trägerin wohl fühlen, sich nicht verstellt vorkommen. Andernfalls fühlt sie sich "kostümiert", nur dem Anlass verpflichtet - und es kommt nicht von Herzen.

Trachten und Trageweisen haben sich immer gewandelt und werden es weiter tun!

Ausgehen, Einkaufen, Behörden, Besuche (ohne Feiertage) - die Ausgehtracht
   

Burger Ausgehtracht

Burger Ausgehtracht

Zum Einkauf, zur Fahrt in die Stadt wird eine "bessere" Arbeitstracht getragen: eine helle/weiße Haube aus Wäschestoff, einfaches ungesticktes weißes Halstuch mit einfacher Wäschespitze. ...

Zur Arbeit im Haus, auf dem Feld und im Stall, beim Kahn staken - die Arbeitstracht
   

Arbeitstracht

Arbeitstracht

Zur Arbeitstracht gibt es keine festen Vorgaben, sie hatte dem Zweck, der Arbeit im Sommer wie im Winter, im Feld und im Stall, zu genügen. Sie besteht meist aus einer einfach geschnittene Bluse, Blaudruckschürze, darunter einfacher Rock ohne Bänder und Spitzen, an den Füßen Schafwollsocken in Lederpantoffeln. Um den Kopf kann ein Samtband getragen werden. [2] ...
Fastnacht, an Sonntagen, zum Tanz und zu anderen festlichen Anlässen - die Festtags-, Sonntags- oder Tanztracht
   

Fastnachtstanz

Radduscher Fastnacht
...
Zu kirchlichen Festlichkeiten, in der Advents- und Passionszeit, zu Neujahr, am Karfreitag und Himmelfahrtstag und meist am ersten Feiertag der hohen Feste - die Kirchgangstracht - Eine Anleitung zum Tragen der Burger Kirchgangstracht zu den hohen Festen kann HIER heruntergeladen werden (pdf).
   

Kirchgangstracht

Burger Kirchgangstracht

"Unter der feierlichen und gleichzeitig wärmenden Polkajacke wird das schwarze Halstuch getragen. Es ist auch die Tracht, in der die Wendin zum Abendmahl ging. ... Erst am 1. Osterfeiertag nachmittags legen die Mädchen die dunkle Tracht ab und zum Ostertanz siehst du ihre Trachten wieder wie zur Fastnacht leuchten." [2, S.33]

Der Burger Fotograf Ingmar Steffen, der auf ein umfangreiches Archiv zurückgreifen kann: "Die schwarze Tracht ist viermal im Jahr getragen worden: 1. zu Neujahr, 2. am Ostersonntag, 3. zu Trinitatis ( Sonntag nach Pfingsten) 4. zum Erntedank im Oktober, und vor wenigen Jahrzehnten sind die Frauen in ihrer schwarzen Tracht beerdigt worden. Am Karfreitag wurden auch schwarze Trachten getragen, aber mit weißen völlig schmucklosen Hauben. Damit gingen sie in der Osternacht auch zum Ostersingen."

Eine Anleitung zum Tragen der Burger Kirchgangstracht zu den hohen Festen kann HIER heruntergeladen werden (pdf).

Braut und Bräutigam - die Hochzeitstracht
   
Burger Hochzeitszug
Burger Hochzeitszug
Über die Brautracht ist HIER schon viel beschrieben worden
Zur Spinnte
   

Spinnte

Radduscher Spinnte
Zur Spinnte, die heute nur noch gelegentlich stattfindet,wurde meist die Ausgehtracht getragen. Nur am letzten Tag - vor Ostern- wurde eine bessere Tracht getragen, oft auch schon in Vorbereitung auf das Passionssingen die Kirchgangstracht.
Im Winter ...
   

Wintertracht©sybille traube

Wintertracht (Foto Sybille Traube)
Wenn es sehr kalt ist: dicker warmer Tuchrock, unter der Polkajacke mit Flanellfütterung wollene Pulswärmer die weit über die Ellenbogen reichen, dicker Schal, Muff ...
Die Unterwäsche ...
   

Nacht- und Unterwäsche aus Burg - Tragevarianten

Frau:

  • weißes Baumwoll-Nachthemd,
  • weiße Leinen-Hose mit Spitzenabschluss an den Beinen, kurzes weißes Leinen-Oberteil, weißes Leinen-Nachthemd mit gehäkelter, roter Borte am Halsausschnitt,
  • einteilige Leinen-Unterwäsche , die unten geschlossen wird (unter der Tracht angezogen)
  • angeraute Baumwoll-Unterwäsche, selbst gestrickte Schafwollsocken
  • Leinen-Nachtjacke, Leinen-Hose
  • besticktes Nachthemd
  • weißes Nachthemd mit Knopf
  • Unterrock mit handgesticktem Monogramm (so kennzeichnete man die gesamte Aussteuer)
  • weißes Leinen-Kittelchen (trägt Frau unterm Trachtenrock), aufwändig gearbeiteter Unterrock (unter dem Trachtenrock getragen)
  • Unterwäsche aus handgewebten Leinen (ziemlich steif und gar nicht weich)

Mann:

  • weißes Baumwoll-Nachthemd, Mütze
  • angeraute Baumwoll-Unterwäsche, Schafwollsocken

 

Zuarbeit vom Heimat- und Trachtenverein Burg, zusammengestellt von Candy Hentschel (li. Foto)

Farben und Motive
   

Borten und Spitzen

Schlepzigerinnen

Bedeutung der Farben:

  • rot steht für die Liebe, das Leben
  • weiß für Unschuld und Keuschheit, Reinheit und Trauer (bis 1900)
  • blau für Unsterblichkeit und Ewigkeit
  • grün für Fruchtbarkeit, Vermehrung und Ehre, den Ernst des Lebens
  • gelb für Harmonie und Wärme, aber auch für Reichtum, Eifersucht und Neid
  • schwarz für kirchliche Feste

Bedeutung der Motive (Auswahl):

  • Ranken stehen für den Verlauf des Lebens
  • Rosen für Liebe
  • Kornblumen für Veränderlichkeit
  • Blüten mit vielen Kronblättern (Margeriten) für die Dauer
  • Schneeglöckchen für Reinheit
  • Immergrün mit Flachsblüten schützen vor Verhexung und stehen für eine reiche Ernte [4]
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aktualisiert am 30.05.2016