Fastnachtsumzug
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Die Straupitzer Tracht

Wenn es um Straupitzer Traditionen und die Straupitzer Tracht geht, ist die heute in Lübben lebende Marga Morgenstern die richtige Ansprechpartnerin. Ihre Gedanken und ihre Erfahrungen hat sie hier aufgeschrieben:

 

 

Marga Morgenstern

"Mein Name ist Marga Morgenstern, geb. Konzack. Bei dem Namen Konzack wissen Sie natürlich, daß es sich um einen wendischen Namen handelt. Er heißt so viel wie „der am Ende wohnende“, und so würden Sie mein Geburtshaus auch am Ende der Kastanienallee in Straupitz finden. Mein Elternhaus war so ein klassisches Doppelstubenhaus, na, Sie wissen schon, mit einer Laube in der Mitte. An einer Stelle lebten meine Eltern mit uns drei Kindern und an der anderen Seite die Großeltern. Die mütterlichen Vorfahren waren Deutsche mit hugenottischen Wurzeln. Die Lebens- Arbeits- und Denkweise meines Elternhauses prägten auch mein Leben.

Natürlich ist die Festtagstracht von uns, den Spreewaldwenden, die prächtigste. Ich bin ja nun inzwischen 80 Jahre alt und die Menschen haben mir das liebenswürdige Pseudonym „alte Spreewald'sche“ gegeben. Eigentlich ist es in unserer Tracht wie im Leben, je älter wir werden, um so stiller (dunkler/auf das Wesentliche beschränkt) ist der Ausdruck unserer Tracht. Ich lebe immer noch im Spreewald und handlegetreu dem Grundsatz:“ Heimat verpflichtet.“
Eines aber gilt für alle, ob jung oder alt, wie es mir die wendische Oma einprägte:“ Margachen, das richtige Ankleiden ist genauso wichtig, wie die Tracht aleene, es kann nicht genau genug genommen werden, mit dem richtigen Ankleiden. (Kirchgang, Tanz, Arbeit und das richtige Stecken, der einzelnen Teile). Diese Lehre ist für mich Lebenslehre.


Ich trage die Tracht zwar nicht mehr täglich wie die wendische Großmutter, aber ich trage sie an allen besonderen Tagen meines Lebens, bis hin zu dem besonderen Tag, unserer Goldenen Hochzeit. Im Grunde genommen ist der Ausdruck der Tracht zwar unterschiedlich für die Jahreszeiten und Anlässe; aber im Grundsätzlichen einheitlich im ganzen Spreewald. Darum ist für mich das wichtigste Teil unserer Tracht die Haube. Sie wird unterschiedlich nach den jeweiligen Kirchspielen gebunden und da ich in Straupitz geboren und aufgewachsen bin, trage ich die Haube des Straupitzer Kirchspiels. Natürlich habe ich in jungen Jahren Fastnacht und Hahnrupfen in der leuchtenden festlichen Tracht der Jugend mitgemacht.
Die Tracht ist Teil meiner Lebensgeschichte und Teil meiner Trachtengeschichte. Was ich auch tue oder wohin ich gehe in meiner Tracht, sie ist Teil von mir. Ich trage sie sehr sehr gerne, denn sie erzählt etwas von mir, von der Geschichte meines Lebens.
Sie ist kein Kostüm, geschweige denn eine Verkleidung oder gar eine Art Theaterkostüm, weil es eben mein Leben und das Kleid meiner Vorfahren ist.

Wie schrieb doch J.W.v. Goethe? „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen.“ Soweit meine Gedanken!" (aufgeschrieben im Januar 2016)

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aktualisiert am 04.02.2016