Fastnachtsumzug
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Die Lübbenauer Tracht

Zum Trachtengebiet (Kirchspiel) gehörten einst 15 Orte, darunter Leipe, Lehde, Boblitz, Zerkwitz, Klein Radden, Groß Lübbenau und Groß Beuchow.

Es ist hier nicht möglich auf alle Besonderheiten des Trachtengebietes einzugehen, denn diese änderten sich im Laufe der Zeit innerhalb der Dörfer mehrfach. Einige Beispiele sind unten aufgeführt. Herausragendes Merkmal der Tracht des Lübbenauer Kirchspiels ist die kleine Haube.

jedro
Die Leiperin Marlene Jedro mit ihrer Kunersdorfer Mutter Anni Lindner(li.)

VON EINEM TRACHTENGEBIET INS ANDERE

Marlene Jedro kam 1970 aus einer traditionsbewussten Kunersdorfer Familie (Kirchspiel Papitz) nach Leipe, sie "heiratete dort ein". Ihr Trachtenwissen wurde dabei nahezu umgekrempelt: "Das Tragen der Tracht und die Anziehweise hatten sich bei mir bereits eingeprägt, als der Umzug anstand. Das Halstuch (ein Meter mal ein Meter) beispielsweise wurde in Kunersdorf in Falten so auf die Schulter gelegt, dass die breite weiße Spitze bis zum Ellenbogen hing, auf dem Rücken bis in die Taille, meist sogar etwas länger. Die Männer hielten ihren rechten Arm während des Tanzens unter dem Tuch, die steife Spitze hochgekippt, damit sie nicht zu schnell verschmutzte. ... Das schwarze Mieder war am Rock befestigt (in Zeiten des allgemeinen Mangels bekam die Kundin vom Fachhändler nur 60 Zentimeter Samt zugeteilt!).Darüber kam das Halstuch schräg übereinander genadelt. Das Schleifenband in der Taille wurde vorn rechts zur Schleife gebunden.

Meine Heirat nach Leipe gebot mir nun ein Umdenken: Das Mieder des Rockes wurde extra angezogen. Dadurch konnte man es für mehrere Röcke nutzen. Das Halstuch, 80 mal 80 Zentimeter groß und mit schmaler Spitze, endete am Schulterrand und auf dem Rücken, zwei Drittel des Mieders bedeckend. Das (schmalere) Schleifenband wurde der Länge des Rockes angepasst und auf dem Rücken zur Schleife gebunden" (Marlene Jedro, Leipe)

Lübbenauer Tracht
Junge Lübbenauerinnen

LEHDE

Die Haube des Lübbenauer Trachtengebietes ähnelt eher dem ursprünglichen Kopftuch. "In LEHDE zum Beispiel darf eine Trachtenträgerin nie ohne Haube in Erscheinung treten, und das Unterhaar darf bis auf den Ponny nicht sichtbar sein. Desweiteren muss das Halstuch straff über der Brust liegen und dessen Zipfel werden exakt im Rücken und über den Schultern mit Stecknadeln verankert. Das Halstuch selbst wird relativ hochgeschlossen und mit einer schönen Spange oder Nadel zusammengehalten. Die Schürze muss etwas länger sein als der Rock gewöhnlich überragt die Spitze die Rockkante. Die Schärpe, d.h. das Schleifenband, wird gerade über dem Schürzenbund angebracht und möglichst breit sichtbar mit Stecknadeln festgehalten. Die Schleife sollte je nach Ort einheitlich getragen werden, in Lehde prinzipiell hinten. Die Schärpenbänder sollten nicht zu kurz sein, den Rock aber nicht überlappen." [4, S. 31]

LEIPE

Der Ort war lange Zeit sehr abgeschieden, erst 1969 bekam das Dorf einen Straßenanschluss. Hier gingen die Frauen noch lange Zeit in Tracht. Eine Leiper Besonderheit ist der Wiethut, der zur Arbeitstracht getragen wurde, eine Art Sonnenhut, gefertigt in einer Dresdener Hutfabrik und in Lübbenau zum Kauf angeboten.

"Das Halstuch bestand aus Baumwolle in hellem Farbton mit kleinen Blümchen und einer kleinen Spitzenkante. Es wurde straff über der Brust von rechts nach links getragen. Dazu trugen die Mädchen den einfarbigen Falbelrock. Zur Tracht gehörte das Kopftuch. Dieses war wie das Brusttuch einfarbig hell oder kleingemustert. Es wies keinerlei Stickerei auf, höchstens zierte es eine kleine Borte am äußeren Rand über der Spitze. Unter der Haube hielt das Samtband das Haar zusammen. ... Die Schleifen wurden damals noch streng links gebunden. Zur Tracht wurden für alle Tage dunkle Strümpfe und Lederschuhe getragen." Peinlich genau achteten die Leiperinnen darauf, dass keine andere Frau die gleichen Stickereien trug, "denn die Stickerei ist immer Ausdruck des persönlichen Geschmacks und der Individualität." [4, S. 51]

Hinsichtlich der Rocklänge gab es auch in Leipe Zugeständnisse an den aktuellen Zeitgeschmack. So finden sich knapp kniefreie Röcke ebenso, wie wadenlange. Die ehemals blickdichte Schürze ist inzwischen den "Gardinenschürzen" (fast) zum Opfer gefallen. Die Bindeart der Schleife ist inzwischen von links nach hinten übergegangen.

Haube
Eine Haube wird gesteckt

Sonnenhut

Traute Romke trägt den in Leipe beliebten Wiethut zur Arbeitstracht.

 

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aktualisiert am 04.02.2016